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Galerie: 1. Eintrag, 01.06.09
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Nun geht es wirklich los...!
Da mein Flug bereits um 8.00 Uhr Morgens von Frankfurt in Richtung Vancouver startet, wird die Nacht kurz und der Flug mit 10 Stunden lang. Mein Startpunkt Vancouver empfängt mich mit einem strahlend schönen Frühlingstag. Die Wolkenkratzerkulisse der Innenstadt hebt sich ab vor den teils noch schneebedeckten Bergen. Die Olympiastadt 2010 liegt in traumhaft schöner Umgebung und nirgendwo kann man wohl so viele Freizeitmöglichkeiten wahrnehmen und z.B. auf den glasklaren Gewässern segeln oder im riesigen Stanley Park den Stress der Großstadt hinter sich lassen. Nach 2 Tagen in der Stadt, steht mein wieder viel zu vollgepacktes Fahrrad vor mir. Städte sind nun mal das, was ich aus good old Europe zu genüge kenne und so zieht es mich schnell aus der Stadt heraus. Zudem liegen 7.000 km vor mir und ich möchte diese so schnell wie möglich angehen.
Unterwegs auf dem Kettle Valley Railway
Mein erstes Ziel ist es, eine ganze Weile auf dem Kettle Valley Railway Trail zu radeln, der sich, von dem kleinem Ort Hope aus, über mehr als 750 km ostwärts erstreckt. Die Eisenbahn wurde stillgelegt, die Schienen entfernt und heute kann man mit maximal 2,5 Prozent Anstieg oder Gefälle durch die Wildnis der Provinz British Colombia radeln.
Doch zunächst muss ich mich erstmal durch das riesig ausgedehnte Vancouver wühlen. Vierspurige Highways teile ich mir mit Monstertrucks, die mich zumeist respektvoll behandeln und vorsichtig überholen. Glücklicherweise haben die meisten Highways einen breiten Seitenstreifen. Trotzdem bin ich froh, als der Verkehr endlich abnimmt und ich auf einen weniger stark befahrenen Highway abbiegen kann.
In die Berge
Auch wenn bei mir noch kein richtiges Wildnisgefühl aufkommt, merke ich schnell, dass man nicht nur auf Bären ein Auge habe muss. Meine nachts nicht abgepackten vorderen Fahrradtaschen locken deren kleineren Namensvettern an, denn Waschbären plündern meine Brot- und Schokoladenvorräte und setzen mich für die nächsten Tage unfreiwillig auf Diät. Am Morgen danach geht es durch eine tiefe Schlucht, durch die der damalige Konstrukteur Mc Culloch vier Tunnel (die Othello Tunnel) in kurzer Reihenfolge legen musste. Eingezwängt zwischen den steilen Schluchtwänden und dem wilden Fluss, musste man hier eine technische Meisterleistung abliefern. Die Schlucht war übrigens einst auch Filmkulisse für den ersten Rambofilm. Bald danach beginnt der Anstieg in die Berge. Bei mehr als 25 Grad schnaufe ich mit meinen ca. 35 kg Gepäck den ersten Pass meiner Tour hinauf zu den Coquihalla Lakes, die auf mehr als 1.100 m gelegen sind. Ich habe Glück: Der Frühling hat grade erst durchgestartet, am Wegrand liegen immer wieder Schneereste und viele Bäume treiben grade erst aus. Eine Woche zuvor hatte es in den Bergen noch geschneit.
Einsames Land
Als ich spät abends nach fast 100 km Fahrt immer noch keinen Platz zum Aufbauen des Zeltes gefunden habe, komme ich in einen winzigen Ort entlang der stillgelegten Trasse. Hunde streichen an alten Autos vorbei und keine Menschenseele ist zu sehen. Ich glaube schon fast an einen Geisterort, als ich einen Mann sehe, der grade an seinem Auto herumschraubt. Auf meine Frage nach einem geeigneten Platz weist er mich zunächst zu einer nahegelegenen Wiese. Allerdings erzählt er mir im fast beiläufigen Ton, dass ein Puma jetzt seit einiger Zeit in Dorfnähe gesichtet wurde und die Regierung vor kurzer Zeit einige Bären ausgesetzt hatte, die dem Ort gerne mal eine Stippvisite abstatten. Als er mein leicht erschrockenes Gesicht sieht, bietet er mir aber spontan an, dass ich in seiner Gästehütte übernachten kann. Das Angebot nehme ich gern an und bekomme sogar noch köstliche Spareribs und ein Bier zum Abendessen serviert. Im Nachbarhaus wohnt ein alter Mann, der mir erzählt, dass er vor 50 Jahren noch auf der Eisenbahntrasse gearbeitet hat und sich nach seiner Pensionierung ein kleines Haus direkt an der Strecke gekauft hat. Heute erinnern an die Eisenbahn nur noch die alte Station und zwei große Wassertürme. Auch wenn hier Heute noch 15 Familien leben, wird sich der Ort über kurz oder lang in einen Geisterort verwandeln: Die kleine Schule schloss vor einigen Jahren und seitdem der letzte Ladenbesitzer aufgegeben hat, müssen die verbliebenen Einwohner zum Einkaufen fast 70 km, teils auf Forstwegen zum nächsten größeren Ort fahren.
Entlang des wilden Tulameen Rivers kann ich mich nun teilweise entspannt immer weiter wieder bergab rollen lassen. Coalmont ist einer der kleinen Orte, die noch Heute Wildwestatmosphäre verspüren: Mich würde es nicht wundern, wenn John Waynes Nachfahren auf einmal durchs Dorf geritten kommen. Etwas abseits entdecke ich sogar noch einige Teilzeit Cowboys, die grade hoch zu Pferd ihre Kühe in die höheren Lagen treiben. Einer ermahnt mich, dass ich aufpassen soll auf dem Trail, die Bären seien nach dem langen Winter oft ziemlich missgelaunt und sehr hungrig, sie würden nur warten auf „meals on wheels“ (Essen auf Rädern)... Ich packe mir von nun an meine laute Trillerpfeife immer griffbereit in die Hosentasche.
Princton ist der erste größere Ort seit mehr als 140 km. Die Zivilisation hat mich wieder, wenn auch nur für kurze Zeit. Von dort geht es auf dem KVR-Trail weiter ostwärts. Wie es von dort weitergeht, können Sie in ca. 14 Tagen nachlesen.
Ihr Reinhard Pantke
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Galerie: StartinVancouver_1Juni2009 |
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