Home Kontakt Impressum

Kanada Tour Blog

Über PER
Druckvorstufe
Digital- und Offsetdruck
Kreatives Marketing
Netzwerkmanagement
PERSPEKTIVEN
Service/Downloads
Gewichtskalkulatoren
Buchrückenrechner
Downloads
Aktionen
Kontakt
Impressum
AGB

Gewichtskalkulatoren

Galerie: 2. Eintrag, 15.06.09
Seiten : | 1 | 2 | 3 | 4

(1)
(2)
(3)
(4)
(5)
(6)

The wild, wild west!
Irgendwo in der Mitte von Nirgendwo liegt 10 km vom nächsten Ort entfernt, in der Nähe eines kleinen Sees, ein alter, bärtiger Mann wie eine Schildkröte direkt neben der Straße. Da mir der Ort nicht besonders einladend für ein Picknick erscheint, frage ich den Mann, ob er Hilfe braucht. Irgendetwas unverständliches kommt mir mit einer abwertenden Handbewegung entgegen. Ich überlege was ich tun soll, mitnehmen kann ich die zottelige „Grizzly-Adams-Kopie“ ja schlecht und da er sonst keine Probleme zu haben scheint, fahre ich mit etwas schlechtem Gewissen weiter. Einige Kilometer weiter sage ich an der nächsten Tankstelle Bescheid, aber die Indianerin dort sagt nur: Weißt Du, dass ist bestimmt wieder einer dieser Fischer. Die fischen den ganzen Tag, trinken dabei jede Menge Whisky und fallen dann einfach um, wo sie grade stehen. Das ist hier normal, mach Dir keine Sorgen, den sammelt irgendwann schon wieder wer ein...“

Nach langer Abfahrt erreiche ich Penticton, die herrlich zwischen zwei gelegene Kleinstadt. Wer mit Kanada immer nur Wälder und Weite verbindet, findet hier ausgedehnte Strände und die größten Weinanbaugebiete Kanadas. Die Winzereien können auch im Rahmen geführter Touren besichtigt werden. Danach sollte man aufs Radeln eher verzichten.

Winnetou reitet nicht nicht mehr
Ich mache einen Abstecher zum 50 km südlich gelegenen Städtchen Osoyoos. Der Ort liegt an der Grenze zu den USA und bietet mit nur 300 – 400 mm Jahresniederschlag wüstenartige Niederschläge und im Sommer Temperaturen von über 40 Grad im Schatten. Diese Halb-Wüste ist auch die Heimat der Nk‘Mip Indianer, dem einzigen Indianerstamm Nordamerikas, der kommerziellen Weinanbau betreibt. Das Kulturzentrum des Stammes bietet mir eine einzigartige Möglichkeit von einer „echten Rothaut“ als Führer viel über Traditionen und das uralte Wissen der Indianer zu erfahren. Als wir nach der gut einstündigen Führung den kaum 500 m vom Eingang entfernten Nachbau eines Indianersdorfes erreichen, verlässt uns unser wohl beleibter Führer, der eine große Vorliebe für ein amerikanisches Erfrischungsgetränk zu haben scheint, auf nicht wirklich traditionelle Art. Er steigt auf einen kleinen Golfwagen, jedoch nicht ohne uns nochmal vor Klapperschlangen zu warnen, die es hier in der Wüste geben soll. Winnetou würde sich im Grabe umdrehen...

Zurück in die Einsamkeit
Am nächsten Tag kurbele ich vom Okanagan Lake wieder auf der stillgelegten KVR-Eisenbahntrasse den Berge hinauf. In 40 km führt die Schotterstrecke mit ganz geringem Anstieg von 400 auf 1300 m hinauf. Bei über 32 Grad im Schatten ist das Fahren auf dem sandigen Weg eine schweißtreibende Arbeit. Ich habe mich wohl etwas verschätzt bei meinem Wasserbedarf, die mitgeschleppten 3 Liter reichen nur kurze Zeit und mit trockener Kehle geht es weiter bergauf. Doch ich habe Glück, irgendwo am Wegesrand haben Forstarbeiter, die wohl eine Quelle in der Nähe haben, Wasserflaschen für durstige Radler wie mich aufgestellt... Urplötzlich werde ich aus meiner Hitze-Lethargie geweckt, als grade mal einen Meter vor mir eine Klapperschlange ihre zischelnde Warnung macht und sich dann schnell in die Büsche neben der Straße verkriecht. Ich wäre fast über sie drübergefahren. Irgendwann endet die Bergaufkurbelei vorerst am Chute Lake. Dort gibt es neben dem See ein großes Blockhaus mit Campingmöglichkeit.

Highlight Myra Canyon
Der Besitzer scheint ein ausgeprägter Jäger und Sammler zu sein: In einer großen Scheune wurde über Jahre alles gesammelt, was man in der Wildniss braucht: Von benutzten Sägeblättern über Nummernschildern, alten Autos, Waschmaschinen, alten Getränkeautomaten und Ersatzteilen aller Art bietet diese einzigartige Sammlung alles, was man in Generationen zusammentragen kann. Nachts wird es frisch auf mehr als 1.000 m, das Thermometer sinkt jetzt Anfang Juni noch auf 2 Grad ab. Vor gut zwei Wochen war der wunderschöne See, an dem ich Zelte, noch mit Eis bedeckt. Am nächsten Tag wartet die große Einsamkeit wieder, der nächste Ort ist über 100 km entfernt. Der Weg führt ständig weiter bis zur Passhöhe, die im Myra Canyon liegt. 18 sagenhafte restaurierte Brücken führen durch den Canyon. Teils aus Holz und teils aus Stahl führen sie gewagt über tiefe Schluchten hinweg. Ein Großteil der Brücken war 2003 während verheerender Waldbrände abgebrannt oder beschädigt worden. Doch Freiwillige bauten die einzigartigen Holzbrücken in Handarbeit wieder auf. So kurve ich mit dem Rad teils in schwindelerregender Höhe durch den Canyon. Was für ein Erlebnis muss es gewesen sein, dort in früheren Zeiten die schnaufenden Dampfloks zu sehen...

Bald danach ist es vorbei mit der guten Qualität des Weges. Der Weg führt durch tiefe Pfützen, die fast über meine Vorderradtaschen gehen und über groben Schotter langsam talwärts. Ich beschließe die Abfahrt auf dem geteerten Highway 3 zu genießen. Immer nur leicht bergab rollend, erreiche nach mehr als 110 km das winzige Nest Beaverdell. An jedem zweiten Laden hängt ein Schild „Closed“ oder „For Sale“, der Ort scheint langsam zum Geisterdorf zu werden. Allerdings gibt es hier auch einen der schönsten Campingplätze direkt an einem sanft plätschernden Bach.

USA – Kurzabstecher in „Das Land der Freiheit“
Eine Dame im kleinen Eisenbahnmuseum von Midway erzählt mir, dass man dem Kettle River auf wunderschöner und einsamer Straße folgen kann, um 40 km später in Grand Forks wieder die USA zu erreichen. Das einzige Hindernis ist, dass man dazu in die USA einreisen muss. Das kann ja nicht schwierig sein denke ich und fahre an den winzigen Grenzübergang. Zunächst klärt mich der Zollbeamte auf, dass ich für das Visum 6 US-Dollar benötige. Kanadisches Geld würden Sie nicht akzeptieren und Kreditkarten würde man nicht nehmen (das in einem Land, wo alles - selbst Trinkgeld - mit „Plastikgeld“ bezahlt wird...). Auf meine Frage woher ich den US-Dollar haben soll, wenn ich noch nicht im Land gewesen sei, zuckt er nur mit den Schultern und gibt mir zumindest den Tipp, dass ich im kanadischen Dorf doch mal fragen soll. Ich drehe um und werde natürlich, da ich mich geschätzte zwei Meter auf US-amerikanischen Boden befunden habe von den kanadischen Zöllnern ebenfalls gründlich kontrolliert. Die haben auch keine US-Dollar, man scheint sich gerne andere Nachbarn zu wünschen. In einem kleinen Café auf der kanadischen Seite werde ich fündig und radle stolz mit meiner Beute wieder zurück zur Grenze. Ich werde erstmal hineingebeten und muss neben dem obligatorischen Fragebogen auch meine Fingerabdrücke und ein hübsches Bild abliefern. Unter den Augen von Mr. Obama, der wohl jede amerikanische Amtstube akkurat aufgehängt überwacht, ist das Letztere eine einfache Übung, während das Abliefern der Fingerabdrücke eine Ewigkeit dauert. Meine Finger sind durch den Staub der Straße ziemlich verdreckt, was die High-Tech Ausrüstung der Zöllner nicht zu mögen scheint. Einer der Zollbeamten fragt mich zur besseren Identifikation neben meinem Reisepass nach meiner „Drivers licence“ (Führerschein). Als ich antworte, das ich keine habe, nie eine hatte und auch keine haben möchte, klappt ihm die Kinnlade etwas nach unten und ich werde wohl in die Schublade „verdächtiger Fahrradterroristen“ einsortiert... Nach einer halben Stunde sind die beiden dann halbwegs zufrieden mit dem Ergebnis der Fingerabdrücke und ich kann meinen Weg fortsetzen. Tatsächlich ist der Weg entlang des ruhig mäandernden Flusses fast autofrei und nach 45 km und 4 Stunden überquere ich in Grand Forks wieder die Grenze nach Kanada.

Bonanza Pass
Am nächsten Tag kurbele ich über mehr als 1.500 m den Bonanza Pass weiter in Richtung Nelson. 30 km geht von Christina Lake nur leicht bergauf. Das ist der Vorteil kanadischer Bergstraßen: Der Gradient ist meistens leicht, damit die schweren Trucks, Holzlaster, riesige Wohnwagen und Wohnmobile auch über die Berge kommen. Doch Holzlaster sind selten geworden, der Bedarf an Holz ist in Zeiten der Wirtschaftskrise drastisch zurückgegangen. Viele Sägemühlen sind geschlossen worden.

Die Rockie Mountains rücken langsam näher, schon bei der Abfahrt sehe ich in der Ferne die ersten noch schneebedeckten Bergriesen... Und damit auch eine Abkühlung: Während ich westlich der Rockies bei mehr als 30 Grad schwitze, fällt am gleichen Tag in Calgary Schnee...

Wie es weitergeht lesen Sie im nächsten Teil in ca. 2 Wochen...

Bis dahin, Ihr Reinhard Pantke


Größere Kartenansicht
Galerie: 02_Thewildwildwest
Seiten : | 1 | 2 | 3 | 4
 
Druckvorstufe PER Medien+Marketing GmbH Kreatives Marketing Digital Offsetdruck
PERSPEKTIVEN
Unser neuer Service
PERSPEKTIVEN

Was interessiert Sie besonders?

- Druckvorstufe
- Druck
- Verlagsservice
- Neue Medien
- Kreatives Marketing

Abonnieren Sie hier!

0